Kurz gesagt: Nach allen bisher veröffentlichten Crashtests erkennen Mähroboter einen Igel in aller Regel erst, wenn sie ihn berühren. Den verlässlichsten Schutz bietet deshalb der Zeitplan: Lass deinen Mähroboter nur tagsüber fahren. In vielen Städten ist das inzwischen Pflicht. Sensoren, eine höhere Schnitthöhe oder die Modellwahl ersetzen das nicht.
Wir haben für diesen Ratgeber die Studien und amtlichen Quellen selbst gelesen. Einige Tipps, die sich im Netz halten, sind nicht belegt. Das kennzeichnen wir unten.
Warum Igel und Mähroboter so schlecht zusammenpassen
Igel suchen in der Dämmerung und nachts nach Nahrung, also genau dann, wenn viele Mähroboter laufen. Bei Gefahr fliehen sie nicht, sondern rollen sich ein. Gegen Fressfeinde hilft das, gegen rotierende Klingen nicht. So begründet es auch die Stadt Köln in ihrer Allgemeinverfügung zum Nachtfahrverbot.
Ganz sicher ist aber auch der Tag nicht. Kranke Igel und verwaiste Jungtiere sind auch tagsüber unterwegs, darauf weist der BUND hin. Auch die Forscher der unten beschriebenen Crashtests schreiben, dass Igel aus verschiedenen Gründen tagsüber aktiv sein können.
Können Mähroboter Igel erkennen? Was die Crashtests zeigen
Ein Forschungsteam um Sophie Lund Rasmussen (Universität Oxford und Aalborg) hat Mähroboter systematisch mit toten Igeln getestet. Die Tiere waren zuvor in Pflegestationen gestorben.
- Studie 2021, 18 Modelle: Kein Gerät erkannte junge Igel unter 200 Gramm. Alle Modelle mussten die Igel berühren, um sie wahrzunehmen. Die Unterschiede waren groß: Manche Geräte richteten schwere Schäden an, andere keine. Als sicherer erwiesen sich Modelle mit schwenkbaren Klingen, einer Gleitplatte unter dem Gehäuse und Frontantrieb (Rasmussen u. a. 2021).
- Studie 2024, 19 Modelle: Bis auf einen Einzelfall mussten alle Geräte die Igel berühren. Größere, vor allem höhere Igel wurden seltener verletzt. Die geprüften Ausstattungsmerkmale hatten diesmal keinen messbaren Einfluss auf das Verletzungsrisiko (Rasmussen u. a. 2024).
Wichtig für deine Kaufentscheidung: Getestet wurden auch Modelle mit Ultraschallsensoren oder Radar. Kamera- oder LiDAR-Modelle waren nicht dabei.
| Technik | In den Studien getestet? | Ergebnis |
|---|---|---|
| Stoßsensor / Erkennung über den Radmotor | ja, 2021 und 2024 | Igel wird erst bei Berührung erkannt |
| Ultraschall | ja, 2024 (u. a. Husqvarna Automower 450X, STIHL iMOW 5 und 7, Worx Landroid M, Kress KR111) | bis auf einen Einzelfall erst bei Berührung |
| Radar | ja, 2024 (Husqvarna Automower Nera) | wie oben |
| Kamera / KI-Bilderkennung | nein | keine veröffentlichten Igel-Tests |
| LiDAR | nein | keine veröffentlichten Igel-Tests |
Hersteller neuer Kamera- und LiDAR-Modelle werben mit Hinderniserkennung. Ob diese auch einen flach liegenden oder eingerollten Igel zuverlässig erkennt, ist bisher nicht unabhängig geprüft. Ein einheitlicher Test ist in Arbeit: Das Team um Rasmussen hat 2024 ein Prüfprotokoll für die europäische Normung (CENELEC) vorgeschlagen. Der VDI erarbeitet zusammen mit dem LBV und dem Leibniz-IZW die Expertenempfehlung VDI-EE 4350 Blatt 2 „Igel und Mähroboter“, voraussichtlich erscheint sie im November 2027. Bis dahin gibt es kein Siegel, das dir einen „igelsicheren“ Mähroboter bestätigt.
Wann die meisten Igel verletzt werden
Die größte Auswertung für Deutschland stammt aus dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Berger 2024). Über 16 Monate meldeten 71 Pflegestellen 370 Igel mit Schnittverletzungen. Mindestens 47 % überlebten nicht, mindestens 60 % wurden erst mehr als zwölf Stunden nach der Verletzung gefunden.
Der Befund, der die meisten Ratgeber widerlegt: Die meisten Fälle wurden im Mai und Juni gemeldet, also in der Hauptmähsaison und nicht erst im Herbst. Die Studie ordnet die Verletzungen Gartengeräten allgemein zu. Sie weist aber darauf hin, dass Mähroboter als einzige Gartengeräte auch nachts und sonntags laufen dürfen, und hält deshalb viele Fälle für Mähroboter-Unfälle.
Lokale Zahlen zeigen die Größenordnung:
- In Leipzig wurden 2024 laut städtischem Tierschutzbeirat etwa 400 Igel durch Gartenmaschinen wie Mähroboter und Motorsensen verletzt, dazu kamen 35 bis 40 durch Mähroboter getötete Igel.
- In Chemnitz zählten drei Pflegestellen 2024 mindestens 47 Igel mit Schnittverletzungen, mindestens 24 davon starben.
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Westeuropäischen Igel seit Oktober 2024 als „potenziell gefährdet“ (Near Threatened) ein.
So schützt du Igel in deinem Garten
- Nur tagsüber mähen, mit Abstand zur Dämmerung. Das ist die Empfehlung der Forscher und des NABU. Viele Städte schreiben inzwischen vor, von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang nicht zu mähen. Weil sich diese Zeiten übers Jahr stark verschieben, haben wir sie für Köln durchgerechnet: Ein fester Zeitplan von 9:00 bis 16:30 Uhr liegt von März bis Oktober an jedem Tag im erlaubten Fenster. Alle Regeln und die Monatstabelle findest du im Ratgeber Nachtfahrverbot für Mähroboter.
- Vor dem Mähstart kurz kontrollieren. Das empfehlen auch die Autoren der Crashtests. Schau besonders an Heckenrändern, unter Büschen, in hohem Gras und an Laubhaufen nach, denn dort ruhen Igel tagsüber.
- Eine Ecke aussperren. Sperr einen Teil des Gartens per Sperrzone in der App oder mit dem Begrenzungskabel für den Mähroboter und lass das Gras dort wachsen. Der NABU rät ausdrücklich dazu. Solche Ecken bieten Igeln Unterschlupf und Nahrung.
- Nicht auf die Schnitthöhe verlassen. Dass eine höhere Schnitthöhe Igel schützt, ist nicht untersucht. In der Studie von 2021 standen alle Geräte auf der höchsten Stufe, trotzdem richteten einige schwere Verletzungen an.
- Beim Kauf ehrlich abwägen. Schwenkbare Klingen, eine Gleitplatte und Frontantrieb schnitten 2021 besser ab, 2024 bestätigte sich das nicht. Keine Technik ersetzt bisher den Tagbetrieb. Wie RTK-, Kamera- und LiDAR-Modelle navigieren, vergleichen wir im Vergleich RTK vs. Kamera vs. LiDAR und im Ratgeber zu Mährobotern ohne Begrenzungskabel.
Findest du einen verletzten Igel, wende dich an eine Igelstation oder einen Tierarzt. Hinweise, woran du einen hilfsbedürftigen Igel erkennst, gibt der BUND.
Diese Tipps sind nicht belegt
- „Kamera- oder LiDAR-Modelle erkennen Igel ab wenigen Zentimetern.“ Dafür gibt es bislang keine unabhängigen Igel-Tests. Die getesteten Ultraschall- und Radar-Modelle mussten die Tiere berühren.
- „Mit 4 cm Schnitthöhe ist der Igel sicher.“ Die Schnitthöhe ist nicht untersucht, siehe oben.
- „Besonders gefährlich ist der Herbst.“ Die meisten Schnittverletzungen wurden im Mai und Juni gemeldet (Berger 2024).
- „Naturschutzverbände empfehlen 10 bis 16 Uhr.“ NABU und BUND raten zum Tagbetrieb, nennen aber keine festen Uhrzeiten.
Häufige Fragen
Können Mähroboter Igel erkennen?
Nach dem aktuellen Studienstand meist nicht rechtzeitig. In zwei Crashtest-Studien mit 18 und 19 Modellen mussten die Geräte die Igel bis auf einen Einzelfall berühren, bevor sie reagierten. Kamera- und LiDAR-Modelle wurden dabei nicht getestet.
Welche Mähroboter sind igelsicher?
Ein belegtes „igelsicher“ gibt es derzeit nicht. Ein einheitliches Prüfverfahren ist in Arbeit, die VDI-Expertenempfehlung wird für 2027 erwartet. Bis dahin schützt vor allem der Tagbetrieb.
Wie viele Igel werden durch Mähroboter verletzt?
Eine bundesweite Statistik gibt es nicht. Eine Auswertung aus 71 Pflegestellen erfasste in 16 Monaten 370 Igel mit Schnittverletzungen. Allein in Leipzig wurden 2024 laut Stadt etwa 400 Igel durch Gartenmaschinen verletzt und 35 bis 40 durch Mähroboter getötet.
Reicht es, nur tagsüber zu mähen?
Es senkt das Risiko deutlich, schließt es aber nicht aus: Kranke Igel und verwaiste Jungtiere sind auch tagsüber unterwegs. Kontrolliere deshalb vor dem Mähstart kurz die typischen Verstecke.
Ist es verboten, nachts zu mähen?
Bundesweit nicht, in vielen Städten und Landkreisen aber schon. Eine Übersicht mit amtlichen Quellen findest du im Ratgeber Nachtfahrverbot für Mähroboter.
Stand: 19. September 2026. Quellen: die verlinkten Studien (Rasmussen u. a. 2021 und 2024, Berger 2024), IUCN, Stadt Köln, Stadt Leipzig, Stadt Chemnitz, NABU, BUND, VDI.